zuletzt aktualisiert am 8. Oktober 2026
Journaling begleitet mich seit 2010. Was als intuitive Praxis begann – Gedanken aufschreiben, um klarer zu sehen – wurde über die Jahre zum Fundament meines Business. In diesem Artikel erzähle ich Dir, wie sich mein Weg vom privaten Tagebuchschreiben zu einer festen Journaling-Routine entwickelte. Und warum Journaling heute die Basis meiner Arbeit ist.
Als Stillstand für mich zur Möglichkeit wurde
Im Frühjahr 2020 kam mein Business als Coach und Beraterin zum Stillstand. Nicht mit einem großen Knall, sondern allmählich, wegen Corona. Im Februar gab es erste Anzeichen, ab März begannen Kolleginnen mir zu erzählen, dass ihre Kunden immer häufiger absagten, ab April meldeten sich auch bei mir keine neuen Kunden mehr. Wie so viele war ich zutiefst verunsichert. Ich hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte. Noch weniger, wie lange das dauern würde.
Mit den Monaten verschob sich meine Perspektive allerdings und ich begann, nach und nach, die erzwungene Ruhe anders zu betrachten: als Möglichkeit, mein Business grundlegend zu hinterfragen und mich neu auszurichten. Denn offen gestanden: Glücklich war ich damit schon länger nicht mehr. Denn dieses unbestimmte Gefühl, dass etwas nicht rund läuft, dass ich mich aufreibe, dass diese Art von Arbeit einfach nicht zu mir passt, hatte über die Jahre immer mehr zugenommen.
Auch wenn ich nicht glaube, dass jede Krise automatisch eine Chance ist – in meinem Fall veränderte die Zwangspause etwas. Sie fühlte sich zunehmend weniger wie eine Katastrophe an, stattdessen mehr wie eine Möglichkeit, die letzten Jahre ausgiebig zu reflektieren und alles auf den Prüfstand zu stellen.
Daher tat ich das, was zu diesem Zeitpunkt seit über zehn Jahren zu einem festen Bestandteil meines Lebens geworden war: Ich ging mit meinen Gedanken und Gefühlen in die Natur und journalte.
Wie Journaling mich durch die Pause begleitete
Ich gab mir Zeit für grundlegende Überlegungen und meine Neuausrichtung. Am Ende waren es zweieinhalb Jahre, was ich so nicht geplant hatte. Ich hatte nicht beschlossen: „Jetzt nehme ich mir 2,5 Jahre Zeit für meine Neuausrichtung.“, aber ich hatte mir erlaubt, dass es so lange dauern darf, wie ich den Raum zum Nachdenken, Reflektieren und In-mich-gehen brauchte. Weil ich spürte: Wenn ich jetzt schnell etwas Neues aufbaue, lande ich nur wieder dort, wo ich nicht sein will.
Also hielt ich inne, übte mich in Geduld. Das war nicht immer einfach und ich weiß auch, dass nicht jede oder jeder die Möglichkeit hat, so lange einen Job oder ein Business ruhen zu lassen. Für mich hat es sich jedoch in jeglicher Hinsicht gelohnt. Als Investition in mich, meine Klarheit und meine Zukunft.
Journaling – eine Methode, deren Wirkung ich schon an früheren Wendepunkten erfahren hatte
Seit ich im Jahre 2010 wusste, dass ich nicht länger angestellt arbeiten wollte, hatte ich begonnen, mit Journaling mein zukünftiges Leben zu visionieren. Also aufzuschreiben, wie ich mir mein Leben vorstellte, wo ich hinwollte und was ich ändern möchte. Journaling war so über die Jahre zu einer regelmäßigen Praxis für mich geworden – allerdings nie als tägliche Pflicht, sondern anlassbezogen. Es gab auch längere Phasen, in denen ich gar nicht schrieb.
Aber immer dann, wenn etwas dran war, wenn ich etwas für mich klären musste, kehrte ich zu meinen Notizbüchern zurück. Ich hatte schon immer mehrere für verschiedene Lebensbereiche: eins für mein Business, eins für persönliche Weiterentwicklung, eins für meine Naturerfahrungen.
Als mein Journaling sich mit der Natur verband
Die Verbindung von Journaling und Natur entstand ganz natürlich, etwa fünf Jahre, nachdem ich damit begonnen hatte. Die Natur war schon immer meine Wohlfühlumgebung, der Ort, an dem ich mich am liebsten aufhielt. Ungestört und ganz bei mir. Also nahm ich meine Notizbücher auf meine Spaziergänge mit. Ich ging dann nicht mehr nur, sondern begann auch zu verweilen, setzte mich auf eine Bank, einen Baumstamm oder einfach auf den Boden und schrieb, las und reflektierte.
Dabei stellte ich immer öfter fest: Die Notizen, die ich draußen in der Natur machte, waren anders: klarer, tiefer, ehrlicher. Und ich merkte: Es waren MEINE Antworten – nicht irgendwelche, die ich von anderen gehört hatte und deshalb meinte, sie mir selbst geben zu müssen. In der Natur war ich ungestört, konnte mich ganz mir selbst widmen und dadurch hatten auch die Teile in mir eine Chance, gehört zu werden, die sonst eher stiller sind.
Mit der Zeit verlegte ich daher mein Journaling fast ausschließlich in die Natur. Ich begann, meine Schreibpraxis mit meinem Naturverständnis zu verbinden. Die beiden Stränge – Journaling und Naturverbindung – wuchsen zusammen. Dabei halfen mir mein Studium der Geowissenschaften und mein Wissen im Bereich Ökopsychologie, das ich mir durch Selbststudium, Bücher und Kurse erarbeitet hatte.
Meine Journaling-Praxis wandelte sich: von intuitiv zu bewusst
In der Phase meiner Neuorientierung war meine Journaling-Praxis dann schon fest etabliert und ich begann, mich tiefer mit Journaling als Methode auseinanderzusetzen. Bis dahin hatte ich intuitiv gejournalt, tat es, weil es mir half. Nun realisierte ich: Was ich da seit Jahren tue, hat einen Namen, es gibt wissenschaftliche Forschung dazu, Menschen haben es systematisch untersucht. Ich wollte verstehen: Wie funktioniert Journaling?
Also las ich, recherchierte im Internet, kaufte Bücher. Gleichzeitig veränderte sich mein Journaling: Es wurde gezielter und fokussierter.
Ich probierte verschiedene Techniken aus und machte drei zentrale Erfahrungen.
- Erstens: Journaling ist eine Methode, die wissenschaftlich untersucht wurde. Es gibt Belege für ihre Wirkung.
- Zweitens: Schreiben mit der Hand macht etwas mit unserem Gehirn – mit unseren Gedanken, mit unseren Gefühlen. Wenn der ganze Körper beteiligt ist, kommen andere, tiefere, stimmigere Erkenntnisse und Antworten heraus als bei reinem, meist rationalem Nachdenken.
- Dittens: Wenn ich in Ruhe und Stille draußen in der Natur journale, komme ich mir selbst am nächsten. Dort lenkt mich nichts und niemand ab, ich kann tief in mich eintauchen, meine Gedanken und Gefühle haben die Möglichkeit, zu mir an die Oberfläche zu kommen. Und die Verbindung zur Natur gibt mir Kraft und unterstützt mich dabei, das alles gut und richtig einzuordnen.
Ich begann, diese Erfahrungen und mein neues Wissen in meine strategischen Überlegungen über mein Business einzubauen. Weil ich spürte: Diese Schreibpraxis – so wie ich sie mir erarbeitet habe – will ich an meine Kund:innen weitergeben.
Diese Erkenntnis kam nicht von heute auf morgen, sie ist langsam gewachsen. Genau wie in der Natur gab es nicht den einen Moment, an dem sich plötzlich alles änderte. Es gab kein „Gestern war es unklar, heute ist es klar“. Stattdessen verdichtete sich alles nur langsam, wurde erst allmählich klarer und war oft genug zuerst noch diffus, sodass ich es manchmal kaum greifen konnte. Aber die Richtung wurde deutlicher: Schreiben ist MEIN Weg. Privat und beruflich.
Journaling hat mich über all die Jahre zu mir selbst geführt
Journaling hat mir geholfen, meine eigenen Antworten zu finden – und nicht mehr die von anderen wiederzukäuen. Bei dieser Art von Schreiben gibt mir niemand Ratschläge, die Antworten kommen von innen. Es wirkt, weil ich meine Tagebücher mit meinen Gedanken und Gefühlen fülle, die ich erneut lese und reflektiere.
Deshalb ist Journaling die Basis meines Business geworden. Ich habe die Wirkung dieser Methode über Jahre selbst erlebt und gebe sie weiter, damit auch andere ihre eigenen Antworten finden können.
Wenn Du neugierig geworden bist und es selbst ausprobieren möchtest: Journaling ist nicht kompliziert. Es braucht nur Dich, ein Notizbuch und die Erlaubnis, ehrlich zu sein. Möchtest Du mehr erfahren, lies gerne diesen Artikel „Wie funktioniert Journaling? Eine praktische Anleitung für den Anfang“
