Erholung, Gesundheit, Klarheit: So positiv wirkt die Natur auf Menschen

veröffentlicht am 24/05/2026

Du sitzt im Wald unter einer Birke. Dein Kopf ist voll, Deine Gedanken kreisen. Ein Problem auf der Arbeit lässt Dich nicht los – Du hast überlegt, analysiert, gegrübelt, aber keine Lösung gefunden. Dann, nach einer Weile der Ruhe, passiert etwas: Das Chaos im Kopf legt sich, der Gedankenlärm wird leiser und plötzlich ist da eine klare Erkenntnis. Die Antwort, die Du gesucht hast, ist einfach da.

Solche Momente unter der Birke gibt es, ich habe sie selbst erlebt. Sie sind weder Zufall, noch esoterische Spinnerei, und ich musste dafür auch nicht tagelang in der Wildnis hausen. Was ich erlebt habe, lässt sich messen, abbilden und erklären: Die Natur beruhigt unser Nervensystem und befreit unseren Kopf vom schleifenhaften Grübeln. Auf diese Weise verbindet sie und wieder mit uns selbst und verhilft zu Klarheit, Erholung und Gesundheit. Durch Prozesse, die Forschende weltweit untersucht und dokumentiert haben.

In diesem Artikel habe ich die wichtigsten Erkenntnisse zusammengetragen, wie die Natur positiv auf uns wirkt – körperlich wie auch geistig und seelisch.

Das Wichtigste in Kürze: So positiv wirkt die Natur auf Menschen

Natur wirkt auf drei Ebenen auf uns aus:

Körperlich: Bereits wenige Minuten im Grünen senken Blutdruck und Herzfrequenz und bauen Stresshormone ab. Zwei Stunden Waldzeit pro Woche erhöhen die Abwehrzellen um etwa 50 Prozent. Krankenhauspatienten mit Blick auf Bäume genesen schneller und benötigen weniger Schmerzmittel.

Geistig: Ein 90-minütiger Spaziergang in der Natur reduziert messbar die Grübelei im Gehirn – etwas, das ein Stadtspaziergang nicht leistet. Die Natur regeneriert erschöpfte Aufmerksamkeit und macht den Kopf klarer.

Seelisch: Naturkontakt fördert innere Ruhe, vermindert Einsamkeit und stärkt die psychische Stabilität. Menschen nehmen ihren Körper weniger nach äußeren Idealen wahr, sondern über ihre Fähigkeiten und Empfindungen. Die Natur schafft Raum für echte Selbstreflexion – für die Fragen, die im Alltag zu kurz kommen.

Dafür braucht es keine langen Wanderungen. 10 bis 20 Minuten im Park oder ein bewusster Blick ins Grüne wirken bereits. 120 Minuten pro Woche in der Natur führen zu messbaren Verbesserungen in Gesundheit und Wohlbefinden.


Dein Bauchgefühl – von der Wissenschaft betätigt: 3 Schlüsseltheorien warum Natur positiv wirkt

Einige positive Einflüsse der Natur sind mittlerweile schon recht bekannt: zum Beispiel dass Naturspaziergänge helfen, Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin abzubauen

Darüber hinaus gibt es Aspekte, die vielleicht weniger bis noch gar nicht bekannt sind. Beispielsweise, dass sich Naturaufenthalte positiv auf Dein Körperbild auswirken, zu mehr seelischer Stabilität verhelfen oder zu mehr Selbstkontakt und weniger Selbstkritik verhelfen.

Wenn Du also das Gefühl hast, die Natur wirke positiv auf Dich, dann vertraue Deinem Gefühl. Denn selbst, wenn etwas bisher noch nicht wissenschaftlich untersucht und belegt wurde, heißt das nicht, dass es nicht so ist. Das kannst Du am Beispiel von Hildegardt von Bingen nachvollziehen. Sie sprach bereits im 12. Jahrhundert von der „Grünkraft“ und meinte damit genau diese positive Wirkung der Natur. Auch wenn sie erst über 800 Jahre später wissenschaftlich nachgewiesen wurde.


Drei der aktuell wichtigsten wissenschaftlichen Erklärungsmodelle:

Biophilia-Hypothese (E. O. Wilson) [1]: Beschreibt die Annahme, dass Menschen eine angeborene Neigung haben, sich lebendiger Natur zuzuwenden. Evolutionsbiologisch lässt sich das damit erklären, dass natürliche Lebensräume über lange Zeit Nahrung, Schutz, Orientierung und Sicherheit boten. (Anmerkung: Wilsons Konzept ist eine Hypothese, keine abschließend bewiesene Tatsache.)

Attention Restoration Theory (Rachel & Stephen Kaplan) [2]: Die Theorie beschreibt, dass natürliche Umgebungen erschöpfte Aufmerksamkeitsressourcen regenerieren können. Natur wirkt dabei als Gegenpol zu den hohen kognitiven Anforderungen des modernen Alltags.

Stress Recovery Theory (Roger Ulrich) [3]: Diese Theorie geht davon aus, dass natürliche Umgebungen eine angeborene stressreduzierende Wirkung haben. Evolutionspsychologisch werden naturnahe Landschaften als sicher und ressourcenfördernd wahrgenommen, wodurch psychologische und physiologische Erholung erleichtert wird. (Anmerkung: Die Stress Recovery Theory erklärt konkret, wie Natur auf Körper und Psyche wirkt: Natürliche Umgebungen fördern demnach kurzfristig Stressabbau und physiologische Erholung. Diese Theorie kann daher als ein spezifischer Wirkmechanismus verstanden werden, der innerhalb der Biophilia-Idee erklärt, warum Natur uns guttut.)


Schon länger bekannt: Natur wirkt positiv auf Erholung und Gesundheit

Hier gebe ich Dir eine Übersicht der bekannteren Effekte. Manche davon kennst Du vielleicht schon, andere eventuell noch nicht. Auch ich kenne nicht alle Effekte oder Studien, daher erhebt diese Liste auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Was im Körper passiert

Stressabbau: Bereits ein kurzzeitiger Aufenthalt in natürlicher Umgebung senkt die Herzfrequenz, reduziert den Cortisolspiegel (Cortisol ist ein Hormon, das bei Stress im Körper ausgeschüttet wird) und führt zu schnellerer Erholung von Stress. [4] Schon wenige Minuten im Grünen senken den Blutdruck und stabilisieren die Herzfrequenz. [5]

Ein niedriger Blutdruck und eine geregelte Herzfrequenz wirken sich positiv auf die Lebenserwartung aus. Studien haben gezeigt, dass der Kontakt mit Natur die Lebenserwartung steigert und Leben nahe einer Grünfläche das Sterberisiko beträchtlich verringert. [6] Wer im Grünen wohnt, leidet seltener an Kreislauferkrankungen oder Diabetes. Was unter anderem auf die frischere Luft, die Lärmdämpfung durch Bäume und den Effekt von Schatten auf den Temperaturausgleich zurückzuführen ist.

Bessere körperliche Genesung: Eine Studie des Umweltpsychologen Roger Ulrich zeigte bereits 1984, dass Krankenhauspatienten mit Blick auf Bäume und Grünflächen nach Operationen schneller genesen, weniger Schmerzmittel benötigten und kürzer im Krankenhaus blieben als Patienten mit Blick auf eine Mauer. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Natur stressreduzierend wirkt und körpereigene Regenerationsprozesse unterstützt. [7]

Wirkung auf das Immunsystem – Terpene und Phytonzide als natürliche Helfer: Im Wald umgeben uns wohltuende Gerüche von Erde, Moos, Holz und Harz. In diesen Gerüchen „enthalten“ sind die Botenstoffe der Pflanzen, die sogenannten „Terpene“. [8] Diese dienen den Pflanzen als Kommunikationsmittel und Schutz gegen Schädlinge – wir nehmen sie über Haut oder Lunge auf, was sich positiv auf das Immunsystem auswirkt. Wer ein paar Stunden im Wald verbringt, erhöht die Anzahl seiner Abwehrzellen um rund 50 Prozent. [9]

Wenn der Kopf zur Ruhe kommt – was die Natur mit unserem Gehirn macht

Wer 90 Minuten durch ein natürliches Umfeld spaziert – Wald, Wiese, Landschaft –, zeigt danach signifikant weniger Aktivität im sogenannten präfrontalen Kortex. Dieser Bereich ist eng mit dem Grübeln verknüpft, dem immer wiederkehrenden Gedankenkarussell, das sich um Sorgen, Fehler und negative Selbstbilder dreht. Wer denselben Spaziergang durch eine Stadt machte, zeigte diese Veränderungen nicht. [10]

Das bedeutet: Nicht Bewegung allein beruhigt den Geist – sondern die Natur selbst tut etwas mit dem Gehirn. Etwas, das Asphalt und Stadtlärm nicht leisten. Das ist keine weiche Wellness-Botschaft und auch keine Esoterik. Es sind körperliche Reaktionen, die sich messen, abbilden und replizieren lassen.

Deshalb setzen auch Therapeutinnen in der Traumaarbeit inzwischen gezielt auf Spaziergänge und Wanderungen im Wald, in den Bergen oder am Wasser. Denn Naturräume geben dem Gehirn etwas, was es in der Stadt selten bekommt – Stille und Weite.

Shinrin-Yoku – Waldbaden: Was in Japan schon lange praktiziert wird

Bereits 1982 empfahl die japanische Forstagentur Waldbaden für einen gesunden Lebensstil. Seit 2005 ist Waldmedizin Teil der Ausbildung an der Nippon Medical School, und Shinrin-Yoku gilt in Japan als offiziell anerkannte Methode zur Entspannung und Stressprävention. [11] In Japan wird Waldbaden als Teil offizieller Gesundheitsprogramme ärztlich empfohlen.


Neuere Erkenntnisse der Wissenschaft: Die Natur verhilft auch zu innerer Klarheit

Der Forschungszweig der Umweltpsychologie ist noch vergleichsweise jung. Daher sind viele Bereiche noch gar nicht untersucht worden und auch diese Liste kann Dir lediglich einen Zwischenstand bzw. einen Eindruck vermitteln. Und doch sind schon einige bemerkenswerte Ergebnisse dabei herausgekommen.

Kognition und Schlaf: Klarer denken, besser schlafen, leichter lernen

Aufenthalte in der Natur wirken sich positiv auf Aufmerksamkeit und Konzentration aus und verbessern damit auch die Schlafqualität. Das ist besonders relevant für alle, die viel am Bildschirm arbeiten. Die Natur kann hier ein Gegengewicht sein und Ausgleich schaffen. [12]

Lernstudien mit Kindern haben gezeigt, dass grünere Umgebungen Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis und Konzentrationsfähigkeit signifikant verbessern können. Deshalb setzen manche Schulen inzwischen bewusst auf begrünte Klassenzimmer oder grüne Wandfarben. [13]

Körperbild und Selbstwahrnehmung

Bewegung in der dreidimensionalen Natur spricht alle Sinne an – einschließlich unseres Körpersinns. Studien zeigen, dass Naturerfahrungen die Körperwahrnehmung positiv beeinflussen und Menschen ihren Körper stärker über Empfindungen, Fähigkeiten und Bewegung erleben. Menschen richten ihre Aufmerksamkeit in natürlichen Umgebungen weniger auf äußere Schönheitsideale. [14]

In einer anderen Studie beschreiben die Autoren, dass Naturerfahrungen durch Bewegung, Sinnesreize und räumliche Orientierung das sogenannte „lived-body consciousness“ stärken – also das bewusste Erleben des eigenen Körpers im Raum und in Beziehung zur Umwelt. [15]

Psyche: Weniger Einsamkeit, mehr seelische Stabilität

Natur kann auch unsere psychische Gesundheit stärken. Forschende beobachten, dass Menschen mit einer stärkeren „Nature Connectedness“ – also einer empfundenen Verbundenheit mit der Natur – sich häufig weniger einsam fühlen und psychisch stabiler sind. Zeit im Grünen fördert das Gefühl von Zugehörigkeit, innerer Ruhe und emotionaler Verbundenheit. [16]

Selbstkontakt statt Selbstkritik

Die Natur bewertet nicht, vergleicht nicht und stellt keine Anforderungen an unser Aussehen oder unsere Leistung.

Genau das kann Menschen helfen, wieder freundlicher mit sich selbst umzugehen. Studien zeigen, dass Naturerfahrungen Selbstmitgefühl („self-compassion“) fördern und negative Selbstbewertungen abschwächen können. Wer Zeit im Grünen verbringt oder sogar nur Naturbilder betrachtet, richtet die Aufmerksamkeit oft weniger auf Selbstzweifel und äußere Ideale – und entwickelt stattdessen mehr Selbstakzeptanz, innere Ruhe und Fürsorge sich selbst gegenüber. [17] [18]

Innere Klarheit: Die Natur ermöglicht, zu sehen, was wirklich zählt

Es gibt Fragen, die sich im Alltag kaum beantworten lassen: Was ist mir wirklich wichtig? Welche Richtung fühlt sich für mich stimmig an – und was passt einfach nicht mehr zu mir? Der Kopf ist oft zu voll, das Tempo zu hoch, die äußeren Anforderungen zu laut.

Die Natur bietet uns einen geschützten Rahmen, in dem wir ruhiger, leerer und entspannter werden und ermöglicht es damit, uns diesen Fragen gezielt zu widmen.

In ihrer Attention Restoration Theory [2] beschrieben die Umweltpsycholog:innen Rachel und Stephen Kaplan einen vierstufigen Prozess, der das belegt: Wer sich über einen längeren Zeitraum in einer naturnahen Umgebung aufhält, durchläuft zunächst physiologische Entspannung, dann emotionale Erholung. Und gelangt schließlich in einen Zustand, in dem Reflexion über das eigene Leben, die eigenen Prioritäten und Ziele möglich wird. Diese tiefste Stufe entsteht, weil die Natur unsere Aufmerksamkeit angenehm bindet, ohne sie zu erschöpfen: das Rascheln der Blätter, das Fließen eines Baches, ziehende Wolken – diese Soft Fascination hält den Geist beschäftigt, lässt aber gleichzeitig Raum für innere Prozesse.

Dieser Prozess wurde in einer Studie von Pasanen et al. [19] bestätigt: Ein Naturspaziergang führt zu einer „broader life reflection“. In zwei experimentellen Feldstudien in Finnland zeigten die Forscherinnen, dass der Restorationsprozess in der Natur sequenziell verläuft: Er beginnt mit physiologischer Entspannung, führt über emotionale Erholung und Aufmerksamkeitsregeneration bis hin zu einer umfassenderen Reflexion über das eigene Leben.

Grübeln: ein Hemmnis für Deinen Selbstkontakt – aber auch da hilft die Natur

Ein Hemmnis, wieder besser mit sich selbst in Kontakt zu kommen, ist Grübeln. Dieses kreisförmige, negativ gefärbte Selbstdenken blockiert echte Selbstreflexion. Die Studie von Bratman et al. [10] zeigte allerdings, dass bereits ein 90-minütiger Spaziergang in einer natürlichen Umgebung das Grübeln messbar senkt – und das nicht nur subjektiv, sondern auch neuronal sichtbar im Gehirn. Wer weniger grübelt, denkt klarer – und kommt leichter an das heran, was ihm wirklich am Herzen liegt.

Dazu gesellt sich ein Phänomen, das Daly Keltner und andere Forscherinnen als Awe beschreiben [20]: das Gefühl von Ehrfurcht, welches weite Landschaften, alte Bäume oder ein Sternenhimmel in uns auslösen können. Dieses Staunen lässt das eigene Ich kleiner erscheinen – im besten Sinn. Es verschiebt den Fokus von unmittelbaren Alltagssorgen hin zu dem, was grundlegender ist. Studien zeigen, dass solche Momente die Selbstwahrnehmung verändern und den Blick dafür öffnen, was wirklich bedeutsam ist.

Zusammengefasst könnte man das so ausdrücken: Die Natur fragt nicht. Aber sie schafft die innere Stille, in der wir uns selbst besser hören.


Natur in den Alltag integrieren – Körper, Geist und Seele als Einheit sehen

Meine Auflistung könnte nun vermuten lassen, es gebe „Einzelbereiche“, auf die die Natur sich positiv auswirkt. Doch genau wie in der Natur hängt auch bei uns Menschen alles mit allem zusammen. Körper, Geist und Seele sind eine Einheit, und was sich positiv auf den einen Bereich auswirkt, wirkt sich auch positiv auf das Gesamtsystem aus.

Eine große Querschnittsstudie mit knapp 20.000 Erwachsenen in England hat genau dies bestätigt: Menschen, die mindestens 120 Minuten pro Woche in natürlichen Umgebungen verbringen, berichten häufiger von guter Gesundheit und hohem Wohlbefinden als Menschen ohne Naturkontakt in der Vorwoche. [21] 

Für Erholung & Gesundheit wirken bereits kleine Dosen

Das heißt für Dich: Selbst wenn Du nicht „im Wald“ wohnst, oder keine mehrstündigen Wanderungen unternehmen kannst (die es – by the way – auch gar nicht braucht), kannst Du von der positiven Wirkung der Natur profitieren. Ein bewusster Blick ins Grüne oder ein kurzer Spaziergang im Park wirken bereits. Selbst eine mit Bedacht gepflegte und gehegte Zimmerpflanze kann sich auswirken. Daher kann man vereinfacht sagen: Ja, einfach rausgehen! Und viel hilft hier auch ein bisschen mehr.

Für innere Klarheit braucht es ein bisschen mehr

Was die Bereiche angeht, die ich im zweiten Teil des Artikels aufgelistet habe, würde ich allerdings sagen: Um wirklich von den positiven Effekten zu profitieren, musst Du selbst noch ein bisschen was tun. Das ist wie beim Yoga oder Sport: Eine halbe Stunde allein lässt deren Wirkung noch nicht entfalten. Wiederholungen und Regelmäßigkeit – und damit auch vertieftes Üben – dagegen schon.

Wie die finnische Studie zeigte: Es dauert, bis man bei sich ankommt – erst setzt die physische Entspannung ein, dann die psychische Erholung und erst nach einer Weile die Aufmerksamkeitsregeneration, die eine umfassendere Reflexion über das eigene Leben ermöglicht.

Für wirkliches Ankommen bei Dir selbst und neue innere Ausrichtung braucht es also ein bisschen mehr Zeit. Oder auch ein bisschen mehr Übung (je öfter Du in die Natur gehst, um bewusst abzuschalten, desto schneller kommst Du in einen Zustand, der echte Selbstreflexion ermöglicht). Und es braucht den richtigen Moment: Wenn Dir gerade mal wieder die Hutschnur platz, weil Deine Nachbarin Dich zur Weißglut getrieben hat, tut Dir die Natur zur Entspannung und Erholung sehr gut. Aber es ist vermutlich nicht der passende Zeitpunkt, um über existentielle Fragen nachzudenken.


Die Natur als unterschätzte Helferin

Du hast nun die vielen Bereiche kennengelernt, für die die positive Wirkung der Natur bereits wissenschaftlich untersucht wurde. Und weißt: Für körperliche und seelische Erholung musst Du keine Expedition planen. Ein Waldweg, ein Park, ein Flussufer – 10 bis 20 Minuten reichen; ein bis zwei Stunden pro Woche lösen messbare Veränderungen im Gehirn aus. Denn der Kopf, der den ganzen Tag analysiert, bewertet und plant, darf in der Natur einfach registrieren: Licht, Geruch, Geräusch, Bewegung.

Was Forschende allerdings auch noch festgestellt haben: Viele Menschen unterschätzen diese Wirkung auf sich selbst. Wenn sie beispielsweise zwischen der Straßenbahn und dem Parkweg wählen müssen, denken sie selten daran, wie sehr der Weg durchs Grüne ihr Wohlbefinden steigern könnte.

Jetzt liegt es also an Dir, die Natur auf Dich wirken zu lassen.


Sei gegrüßt,
Deine Dagmar



Quellenangaben

[1] Wilson, E. O. (1984). Biophilia. Harvard University Press. https://www.hup.harvard.edu/books/9780674074422

[2] Kaplan, S. (1995). The restorative benefits of nature: Toward an integrative framework. Journal of Environmental Psychology, 15(3), 169–182. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/0272494495900012?via%3Dihub

[3] Ulrich, R. S., Simons, R. F., Losito, B. D., Fiorito, E., Miles, M. A., & Zelson, M. (1991). Stress Recovery During Exposure to Natural and Urban Environments. Journal of Environmental Psychology, 11(3), 201–230. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0272494405801847?via%3Dihub 

[4] Ulrich, R. S. et al. (1991). Stress Recovery During Exposure to Natural and Urban Environments. Journal of Environmental Psychology, 11(3), 201–230. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0272494405801847?via%3Dihub 

Twohig-Bennett, C. & Jones, A. (2018). The health benefits of the great outdoors: A systematic review and meta-analysis of greenspace exposure and health outcomes. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6562165/ 

[5] Shanahan, D. F. et al. (2016). Health Benefits from Nature Experiences Depend on Dose. Scientific Reports. https://www.nature.com/articles/srep28551 

[6] Rojas-Rueda, D. et al. (2019). Green spaces and mortality: a systematic review and meta-analysis of cohort studies. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2542519619302153 

[7] Ulrich, R. S. (1984). View through a window may influence recovery from surgery. Science, 224(4647), 420–421. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/6143402/ 

[8] Terpene, u.a. Phytonzide sind sekundären Pflanzenstoffe. Wie sie wirken ist gut erklärt auf: https://www.lwf.bayern.de/wissenstransfer/waldpaedagogik/208428/index.php 

[9] Lew T, Fleming KJ et al. (2024): Phytoncides and immunity from forest to facility: A systematic review and meta-analysis. ScienceDirect. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2950199724000491

[10] Bratman GN, Hamilton JP, Hahn KS, Daily GC, Gross JJ (2015): Nature experience reduces rumination and subgenual prefrontal cortex activation. PNAS, 112(28), 8567–8572. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26124129/

[11] Li Q (2022): Effects of forest environment (Shinrin-yoku/Forest bathing) on health promotion and disease prevention — the Establishment of „Forest Medicine“. Environmental Health and Preventive Medicine, 27, 43. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9665958/

[12] Shin, J. C., Parab, K. V., An, R. & Grigsby-Toussaint, D. S. (2020): Greenspace exposure and sleep: A systematic review. In: Environmental Research, Volume 182, 109081. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0013935119308771?via%3Dihub 

[13] Vella-Brodrick, D. A. & Gilowska, K. (2022): Effects of Nature (Greenspace) on Cognitive Functioning in School Children and Adolescents: a Systematic Review. In: Educational Psychology Review, 34, 1217–1254. https://link.springer.com/article/10.1007/s10648-022-09658-5 

[14] Viren Swami et al. (2019): The Nature of Positive Body Image: Examining Associations Between Nature Exposure, Self-Compassion, Functionality Appreciation, and Body Appreciation In: Ecopsychology, Vol. 11(4). https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1089/eco.2019.0019 

[15] Malcolm Thorburn & Aaron Marshall (2014): Cultivating lived-body consciousness: Enhancing cognition and emotion through outdoor learning https://www.research.ed.ac.uk/en/publications/cultivating-lived-body-consciousness-enhancing-cognition-and-emot/ 

[16] Richardson, M., Passmore, H.-A., Barbett, L., Lumber, R., Thomas, R. & Hunt, A. (2021): The green care code: How nature connectedness and simple activities help explain pro-nature conservation behaviours, mental health and wellbeing. In: People and Nature. https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/pan3.10181 

[17] Viren Swami et al. (2019): The Nature of Positive Body Image: Examining Associations Between Nature Exposure, Self-Compassion, Functionality Appreciation, and Body Appreciation In: Ecopsychology, 11(4). https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1089/eco.2019.0019 

[18] Szitás, D., Halamová, J. & Pichler, V. (2025): Virtual exposure to natural versus urban environments: a pilot study on impacts on self-compassion, self-protection, and self-criticism In: Scientific Reports, 15, 29963. https://www.nature.com/articles/s41598-025-15009-5 

[19] Pasanen, T., Johnson, K., Lee, K., & Korpela, K. (2018). Can Nature Walks With Psychological Tasks Improve Mood, Self-Reported Restoration, and Sustained Attention? Frontiers in Psychology, 9, 2057.  https://www.frontiersin.org/journals/psychology/articles/10.3389/fpsyg.2018.02057/full 

[20] Anderson, C. L., Monroy, M., & Keltner, D. (2018). Awe in nature heals: Evidence from military veterans, at-risk youth, and college students. Emotion, 18(8), 1195–1202. https://www.researchgate.net/publication/325920225_Awe_in_Nature_Heals_Evidence_From_Military_Veterans_At-Risk_Youth_and_College_Students 

[21] White, M. P., Alcock, I., Grellier, J., Wheeler, B. W., Hartig, T., Warber, S. L., Bone, A., Depledge, M. H. & Fleming, L. E. (2019). Spending at least 120 minutes a week in nature is associated with good health and wellbeing. Scientific Reports, 9, 7730. https://www.nature.com/articles/s41598-019-44097-3


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