Ein typischer Moment, wenn das Gedankenkarussell Fahrt aufnimmt: Ein Gedanke hat sich hartnäckig in Deinem Kopf festgesetzt. Du drehst ihn nach allen Seiten, suchst nach einer Lösung – und landest doch immer wieder am gleichen Punkt. Je länger Du grübelst, desto mehr drehst Du Dich im Kreis. Dein Kopf raucht, Deine Nerven sind zum Zerreißen angespannt, es ist zum Verzweifeln.
An so einem Punkt hilft es nicht, noch härter nachzudenken. Die Verwicklungen werden lediglich komplizierter, negative Gedanken werden zunehmen, das Netz um Deinen Kopf wird immer enger werden. Freies Denken und gute Entscheidungen sind nicht mehr möglich.
Was in einer solchen Situation wirklich hilft: aufstehen, Schuhe anziehen und raus in die Natur gehen.
Spazieren gehen hilft auf einfache Weise, den Kopf freizubekommen.
Vielleicht ist das der Grund, warum der 30. März zum internationalen Spazieren-gehen-im-Park-Tag ausgerufen wurde. Vielleicht auch, weil wir instinktiv wissen, dass es uns gut tut, wenn wir Abwechslung, Frische und Erholung brauchen. Und nicht zuletzt, weil es uns hilft, denn Kopf freizubekommen.
Schon Aristoteles wusste, dass es sich im Gehen besser denkt, warum er auch seine Schule „Wandelhallen“ nannte und mit seinen Schülern ausschließlich im Gehen unter freiem Himmel philosophierte (so wird es jedenfalls erzählt).
Von dem Philosophen Jean-Jacques Rousseau soll der Satz stammen:
„Ich kann nur beim Gehen nachdenken. Bleibe ich stehen, tun dies auch meine Gedanken“.
Der dänische Philosoph und Großstadtgeher Sören Kierkegaard schrieb:
„Ich bin zu meinen besten Gedanken gegangen, und ich kenne keinen Gedanken, der so bedrückend wäre, dass man ihn nicht gehend hinter sich lassen könnte.“
Franz Kafka stelle kurz und knackig fest:
Wege entstehen beim Gehen!
Und Friedrich Nietzsche wusste bereits:
Alle wahrhaft großen Gedanken kommen einem beim Gehen!
Bewegung regt BEIDE Gehirnhälften an und hilft, Freiräume zu schaffen.
Wenn wir den ganzen Tag am Computer sitzen, ununterbrochen elektronische Medien konsumieren oder wie wild „auf etwas herum-denken“ nutzen wir fast ausschließlich eine Gehirnhälfte.
Selbst kurze Spaziergänge in der Natur regen dagegen beide Gehirnhälften an. Und nicht nur das. Draußen zu gehen, hat eine ganze Liste positiver Effekte.
- Aus Routinen aussteigen.
- Den Kopf frei bekommen.
- Neue Ideen entstehen lassen.
- Die Kreativität anregen und fördern.
- Emotionen ausgleichen oder beruhigen.
- Gedanken anregen und sie sich sortieren lassen.
- Leicht und unbeschwert in die Selbstreflexion gelangen.
- Die Bildung des Glückshormons Serotonin durch das Sonnenlicht.
- Einen Blick auf abwechslungsreiche und neue Perspektiven erhalten.
- Lösungen finden, falls Du auf einem kniffligen Problem „herum-denkst“.
- Wahrnehmungsfähigkeit steigern – je langsamer Du gehst, desto aufmerksamer wirst Du.
- Deine Intuition wecken, in dem Du Dich von Deinen Impulsen führen lässt und einfach mal drauflos flanierst, ohne vorher einen Plan zu machen, ohne Absicht (etwas erledigen zu müssen) und auch ohne Ziel; einfach mal treiben lassen und sehen, was Dir das Leben bietet.
Und wenn es regnet?
Zieh Gummistiefel oder wasserfeste Schuhe an und schnapp Dir Deinen Regenschirm. Und dann nicht`s wie raus in den Park. Oder in die Natur. Oder einfach nur mal vor die Tür. Als studierte Geowissenschaftlerin weiß ich aus Erfahrung: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. 😉
Mit Gummistiefeln in eine Pfütze hüpfen und darin herum patschen macht übrigens nicht nur Kindern großen Spaß. 😀
Und mit Freude geht alles viel leichter.
Sei gegrüßt,
Deine Dagmar
P.S.: Weitere Anregungen, bewusst und absichtslos spazieren zu gehen findest Du in diesem PDF. Drei WissenschaftlerInnen der Universität Zürich beantworten aus Sicht ihrer jeweiligen Fachrichtung die Frage: „Denken wir im Gehen besser?“
Falls Du die drei kurzen Statements nicht lesen willst, hier die Zusammenfassung der Antworten: Ja, klar! 😉
Einen schönen Artikel zur Philosophie des Spazierens habe ich hier gefunden:
In Gedankenschritten durch die Welt.
