Du hast das Natursitzen bereits ausprobiert oder zumindest davon gelesen? Du magst diese besondere Art, einfach nur da zu sein – ohne Ziel, ohne Plan, nur mit offenen Sinnen in der Natur? Dann ist dieser Artikel genau richtig für Dich.
(Falls Du noch nie vom Natursitzen gehört hast: Am Ende dieses Artikels findest Du Verweise zu meinen einführenden Artikeln über diese bewusste Praxis.)
Vielleicht kennst Du bereits die kraftvolle Wirkung des bewussten Nichts-Tuns in der Natur: Wie sich nach einer Weile eine besondere Ruhe einstellt, wie Dein Zeitgefühl sich verändert und wie Du Dich mit der Natur um Dich herum verbunden fühlst. Das Natursitzen öffnet einen Raum, in dem etwas ganz Eigenes entstehen kann – fernab vom ständigen Beschäftigtsein unseres Alltags.
Doch was, wenn Du diese wertvollen Erfahrungen noch vertiefen könntest?
Was, wenn aus dem stillen Sitzen in der Natur eine bewusste Begegnung mit Dir selbst werden könnte?
Genau hier setzt das Naturverbindung-Journaling an. Diese Methode vertieft Dein Natursitzen zu einer bewussten Begegnung mit Dir selbst. Durch gezielte Reflexion entdeckst Du, was die Natur in Dir auslöst und lernst Dich dabei besser kennen. Die Natur wird zu Deinem Spiegel – sie zeigt Dir nicht nur ihre Schönheit, sondern auch Deine eigenen Muster, Gefühle und Erkenntnisse.
Falls Du das Natursitzen noch nicht kennst: keine Sorge. Auch für Dich ist dieser Artikel wertvoll, denn das Naturverbindung-Journaling funktioniert bei jedem bewussten Aufenthalt in der Natur – sei es beim Spaziergang, im Garten oder eben beim stillen Sitzen unter einem Baum.
In diesem Artikel stelle ich Dir meine eigene Methode des Naturverbindung-Journaling vor: Was es ist, wie es funktioniert und warum Nichts-Tun in der Natur so viel mit innerer Klarheit zu tun hat.
Dein Einstieg ins Naturverbindung-Journaling – was es ist und wie es wirkt
Naturverbindung-Journaling ist eine Methode der Selbstreflexion, bei der Du Dein Natur-Erleben anhand von gezielten Fragen reflektierst und Deine Erkenntnisse aufschreibst. Es ist wie ein Gespräch mit Dir selbst über das, was Du in der Natur erlebst und was das mit Dir macht.
Anders als beim klassischen Journaling, wo Du oft über Deinen Tag oder Deine Gedanken schreibst, fokussiert sich das Naturverbindung-Journaling ganz bewusst auf Deine Erfahrungen in und mit der Natur. Du wirst zur Er-Forscherin Deiner eigenen Naturverbindung.
Die Methode hilft Dir, Dich bewusster mit Deiner natürlichen Umgebung auseinanderzusetzen, Deine Sinne zu schärfen und Deine Verbindung zur Natur zu stärken. Vor allem aber hilft sie Dir, Dich selbst besser kennenzulernen – denn die Natur wird zum Spiegel Deiner inneren Welt.
Einfach anfangen – mit Stift, Notizbuch und ehrlichem Blick
Das Schöne am Naturverbindung-Journaling: Du brauchst nicht viel dafür. Ein Notizbuch, einen Stift und Deine Bereitschaft, ehrlich hinzuschauen – das reicht.
In meinem Artikel „Naturverbindung-Journaling mit der Hand – spüren, schreiben, verstehen“ bin ich darauf eingegangen, wie Dein Körper Dein Denken und Deine Selbstreflexion vertieft, wenn Du — ganz klassisch — mit der Hand schreibst. Auf technische Geräte und Hilfsmittel solltest Du beim Naturverbindung-Journaling verzichten; es sein denn, Du nutzt Dein Handy (im Flugmodus) als Wecker oder Stoppuhr.
So funktioniert Naturverbindung-Journaling beim Natursitzen
Während Du in der Natur bist — sei es bei einem Spaziergang, einer Wanderung oder eben dem Natursitzen — nimmst Du Dir zusätzlich ein bisschen Zeit und reflektierst anhand von Kernfragen, was Du erlebst:
- Was bemerke ich in der Natur? (Das Äußere wahrnehmen)
- Was bemerke ich in mir selbst? (Das Innere wahrnehmen)
- Welche Schlüsse ziehe ich daraus? (Die Verbindung zwischen beidem entdecken)
Du schreibst Deine Gedanken, Beobachtungen und Erkenntnisse auf — ganz ungefiltert und ohne Bewertung. Es gibt kein Richtig oder Falsch, nur Deine eigene, subjektive Wahrnehmung.
Seine besondere Kraft entfaltet das Naturverbindung-Journaling beim Natursitzen, weil Du ganz bewusst nichts tust. Dadurch hast Du Zeit und Ruhe für sehr feine Wahrnehmungen — sowohl nach außen als auch nach innen.
Wenn Journaling in der Natur zur Selbsterkenntnis führt – ein Beispiel
Isabell setzt sich für 15 Minuten auf ihre Lieblingsbank im Stadtpark. Heute ist es windig, die Blätter rascheln unaufhörlich. Anfangs nervt sie das Geräusch, sie kann nicht zur Ruhe kommen. Aber dann lässt sie sich darauf ein, hört genauer hin. Das Rauschen wird zu einem Rhythmus, fast wie Meeresrauschen. Sie spürt, wie sie ruhiger wird.
Später schreibt sie in ihr Natur-Journal: „Heute war es so windig – erst dachte ich, das stört mich. Aber dann wurde das Blätterrauschen zu meinem Begleiter. Ich habe gemerkt: Ich bin oft zu schnell mit dem Urteil ‚das stört mich‘, anstatt zu schauen, was da wirklich ist. Vielleicht mache ich das auch bei Menschen so? Erst ablehnen, bevor ich wirklich hinschaue?“
So wird aus einer einfachen Natur-Erfahrung eine Erkenntnis über sich selbst.
Eine Einladung: Probiere Naturverbindung-Journaling beim Sitzen in der Natur aus
Während Du in der Natur sitzt, reflektierst Du, was Du erlebst. Nicht ständig oder ununterbrochen und schon gar nicht „verkniffen“.
Sondern offen und neugierig für das, was sich Dir zeigt. Die meiste Zeit bist Du einfach da und sitzt. Und wenn Du den Impuls verspürst, zu reflektieren, machst Du Dir Notizen. Natürlich kannst Du es auch nacheinander machen — erst eine Zeit lang in der Natur sitzen, danach bewusst reflektieren.
Finde Deinen Weg — so, wie es für Dich am besten passt.
Hier findest Du Reflexions-Vorschläge:
Was bemerke ich in der Natur?
- Was sehe, höre, fühle, rieche, schmecke ich?
- Was ist heute anders als sonst?
- Erregt etwas besonders meine Aufmerksamkeit?
- Welche Farben, Texturen oder Bewegungen fallen mir auf?
- Gibt es ein Muster in der Natur, das mir vorher nicht bewusst war?
Was bemerke ich in mir selbst?
- Welche Gefühle habe ich beim Sitzen?
- Wie fühlt sich mein Körper an?
- Welche Gedanken kommen und gehen?
- Wie ist mein Atem, meine Anspannung?
- Verändert sich meine Stimmung?
- Gibt es Momente besonderer Ruhe oder Unruhe?
Welche Schlüsse ziehe ich daraus?
- Was verbinde ich mit dem, was ich erlebe?
- Erinnert mich etwas an andere Situationen in meinem Leben?
- Welche Erkenntnis über mich selbst nehme ich mit?
- Was möchte ich festhalten oder vertiefen?
Was habe ich sonst noch bemerkt, festgestellt, erfahren?
- …. (Hier kannst Du alles notieren, was Du festhalten möchtest, was nicht in die obigen 3 Kategorien passt. Vielleicht, wie sich das Wetter auf Dich ausgewirkt hat? Oder zu welcher Tages- oder Jahreszeit Du in der Natur warst und was das mit Dir gemacht hat? Ob Du Dich zu einem Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang draußen hingesetzt hast? Oder was Dir sonst so passiert ist.)
Was Naturverbindung-Journaling in Dir bewegen kann
Hier liegt das Geheimnis, warum Nichts-Tun in der Natur so viel mit innerer Klarheit zu tun hat: Die Natur wird zu Deinem Spiegel.
Wenn Du regelmäßig das Naturverbindung-Journaling praktizierst, entdeckst Du Muster — sowohl in der Natur als auch in Dir selbst. Du bemerkst, wie bestimmte Wetterstimmungen Deine Laune beeinflussen, wie verschiedene Orte unterschiedliche Gefühle in Dir auslösen, wie Deine innere Verfassung Deine Wahrnehmung färbt.
Welche Veränderungen Du mit der Zeit bemerken könntest.
- Du entwickelst eine feinere Wahrnehmung für Dich selbst.
- Du erkennst Deine Reaktionsmuster und Gewohnheiten.
- Du lernst, Deine Gefühle besser zu verstehen.
- Du entdeckst, was Dir wirklich guttut.
- Du findest Antworten auf Fragen, die Dich beschäftigen.
- Du entwickelst mehr Gelassenheit und Selbstakzeptanz.
Die Natur lehrt Dich, ohne zu urteilen. Ein Baum wertet nicht, ob Du traurig oder fröhlich bist — er ist einfach da. Diese bedingungslose Akzeptanz hilft Dir, Dich ehrlicher und tiefer kennenzulernen.
Naturverbindung-Journaling ist kein kompliziertes Projekt — es ist eine sanfte Art, mit Dir selbst in Kontakt zu kommen. Du brauchst dafür weder viel Zeit noch besondere Fähigkeiten. Nur Deine Bereitschaft, hinzuschauen und ehrlich mit Dir zu sein.
Probiere es beim nächsten Mal aus, wenn Du in der Natur bist. Schreib einfach auf, was Dir in den Sinn kommt — ungefiltert und ohne Bewertung. Die Natur hält so viele Antworten bereit — auch auf Fragen, die Du vielleicht noch gar nicht gestellt hast.
Du wirst staunen, welche Erkenntnisse in Dir schlummern, die nur darauf warten, entdeckt zu werden.
Deine
FRAU BÖRD
P.S.: Du möchtest das Natursitzen erst einmal ohne Selbstreflexion ausprobieren?
Falls Du das Natursitzen noch nicht kennst oder Du unsicher bist, wie es funktioniert, lies gerne meine beiden erläuternden Artikel. Dort findest Du alles, was Du brauchst, um heute noch anzufangen.
👉 In der Natur sitzen – ohne Absicht, ohne Tun, ganz bei Dir und dem, was sich zeigt