So zur Ruhe kommen, so den Puls runterfahren können. Ich muss gar nichts dafür tun, mein Körper fährt ganz von allein runter, kommt zur Ruhe. Negative Gedanken verschwinden. Auch das muss ich nicht machen, sie sind einfach nicht mehr in meinem Kopf. Klingen ab, kühlen sich ab, wenn ich durch die Hochheide schlendere.
Ich liebe diese Landschaft! Das leuchtende Heidekraut und die tiefgrünen Beerenbüsche, die windgeprägten Kiefern, die so wunderbar individuell und kraftvoll sind, den erdigen Geruch von Sand, Kräutern und trockenen Gräsern, die ein bisschen stacheln, als ich mich hinsetze. Und natürlich die Tiere.
Allen voran die Schafe, deren warmer Geruch von Erde und Heu zu mir herüberweht, auch wenn sie wie frisch gewaschen aussehen. Am liebsten möchte ich sie knuddeln, meine Hände tief in ihre weiche Wolle stecken, sie fühlen, mich wohlfühlen. Aber entsprechend meiner Natur bleibe ich außerhalb des Zaunes, will keine Grenzen überschreiten. Immer verantwortungsvoll sein, ja nie etwas Verbotenes tun, und wenn es noch so geringfügig ist …
Ich schaue ihnen einfach nur zu, versenke mich in ihren Anblick, lausche ihrem sanft murmelnden Kauen, wie sie zufrieden zwischen den Gräsern ruhen. Lächle, wenn wieder ein Lämmchen Antwort von seiner Mutter auf sein Määääh bekommen hat oder ein anderes niesen muss.
Diese Kulturlandschaft macht etwas mit mir, ganz tief in mir drin. Sie lässt mich ankommen, durchatmen, aufatmen. Sie streichelt meine Seele. Alles in mir ist weich und wohlig. Dieses Gefühl von ganz da sein, von geborgen sein, von willkommen sein – dieses Gefühl spüre ich selten. Aber ich spüre es in einer Heidelandschaft und genieße in vollen Zügen. So gerne würde ich wieder hierherkommen. Wie wunderbar das aussehen muss am frühen Morgen, wenn alles aufwacht und sich neu dem Tag entgegenstreckt. Oder im Herbst, wenn Nebelschwaden darüberhängen und die feinen Netze der winzigen Spinnen im feuchten Tau glänzen.