Wenn der Rhein die Wiesen nimmt und Brücken zu Stegen werden

Manchmal schmeißt die Natur einfach um, was wir geplant haben. Dieser Text ist an einem Sonntagmorgen entstanden, als ich zum Rhein aufbrach und statt meines gewohnten Weges eine verwandelte Landschaft vorfand. Ein kurzer ERlebnisbericht darüber, was Hochwasser aus einer vertrauten Gegend macht – und wie vielfältig die Natur gerade dann sein kann, wenn sie uns überrascht. 

Die veränderte Landschaft am Ufer

Mein Sonntagsfrühstück im Rucksack mache ich mich auf zum Rhein. Ich will ins Vogelkonzert. Doch das fällt heute leider ins Wasser. Als ich am Rheinufer ankomme, sehe ich sofort: Meinen üblichen Weg kann ich heute nicht gehen.

Statt des Baches, der sonst durch die Wiese vor sich hin plätschert, breitet sich vor mir ein Teich aus. Auf der Oberfläche wippen Gänse und Enten und widmen sich ihrer Morgenwäsche. Das Brausen des Wasserwehrs übertönt vereinzeltes Froschquaken. Das Schlagen der Nachtigall ist durch das Rauschen nur schwach zu hören.

Die hölzerne Brücke ist zum Steg geworden, der direkt über dem Wasser zu liegen scheint. Einem Dackel ist das nicht geheuer, denn er wagt sich nur zögerlich auf die Planken und beäugt unsicher das unter ihm hindurchfließende Wasser. Auf die am Ufer festgemachten Boote kommt man heute nicht trockenen Fußes, die Anlegestege sind bereits im Wasser versunken, das Ufer mit den kleinen Sandbuchten nicht mehr zu sehen. Ein einsamer Angler steht dort, wo sonst Menschen ihre Decken auslegen. Das Schwanenpaar direkt neben ihm lässt sich von ihm nicht stören.

Ich lasse mich von der Natur leiten und gehe ich einfach anders

Was soll’s, denke ich, dann gehe ich heute eben in die andere Richtung. Dort, wo sonst Wohnwagen stehen, flitzt eine Bachstelze wippend auf dem matschigen Pfad davon und trippelt eilig durch für sie kniehohes Wasser, in dem sich das helle Frühsommergrün der Bäume spiegelt.

Dort, wo noch Wiese übrig geblieben ist, grasen zwei Familien Kanadagänse. Als ich näher komme, watscheln sie mit ihren Jungen Richtung Fluss und sind kurz darauf von der Strömung davongetrieben. Hoffentlich kommen sie wieder gut an Land, denke ich. Stören wollte ich sie nicht.

Ich schlendere weiter und beobachte zwei Störche heranschweben. Heute müssen sie zum Frühstück von der Flussinsel aufs Festland fliegen. Unter ihren Nestern breitet sich eine durchgehende Wasserfläche aus, dort finden sie nichts zu fressen. Die Schwarzmilane, die über den dunklen Baumwipfeln kreisen, vermutlich auch nicht.

Das Wasser macht alles viel stiller

Es weht eine leichte Brise, die Weiden wiegen sich im Rhythmus der Böen, zwischen der Flussinsel und mir strömt der dunkle Rhein. Heute doppelt so breit wie normal. Über ihm sind die Hügel des Taunus wolkenverhangen. Vereinzelt reißen sie auf und lassen hellblauen Himmel erahnen. Die Bundesstraße auf der anderen Flussseite ist heute nur dumpf zu hören. Ob das viele Wasser die Geräusche schluckt?

Wann hat Dich die Natur das letzte Mal überrascht? Und hat das etwas in Dir bewirkt?

Sei gegrüßt,
Deine Dagmar

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