Wie ich im Winter die Farben fand – Naturmomente mit Flechten und Moosen

Vor drei Wochen stapfte ich erstmals seit Jahren durch eine richtig verschneite Winterlandschaft. Etwas, was in der Gegend, in der ich wohne, in den vergangenen Jahren nicht mehr wirklich vorgekommen ist (es gab höchstens mal einen leichten „Puderzucker“-Überzug).

Aber dieses Mal konnte ich durch 10–15 Zentimeter stapfen. Die Schneeverwehungen reichten mir sogar bis zum Oberschenkel. Alles um mich herum war weiß. Nur die braunen, kahlen Bäume hoben sich davon ab. „Nicht wirklich viel zu entdecken“, dachte ich, als ich so vor mich hinstapfte.

Die Formen und Farben des Winters.

Doch dann fiel mein Blick auf die alten hölzernen Zaunpfähle einer Schafweide. Sie waren wettergegerbt und überwachsen von wunderbaren, feinen Flechten und Moosen. „Die Formen und Farben des Winters“, dachte ich bei mir und vertiefte mich in ihren Anblick.

Ich entdeckte neue Farbkombinationen, Windungen und Verwachsungen. Die gefühlte Eintönigkeit der winterlichen Landschaft löste sich auf und ich erkundete ein kleines, unbekanntes Universum. Ich konnte mich gar nicht sattsehen und empfand eine tiefe Freude über diese Entdeckung. Wie schade wäre es gewesen, hätte ich sie wieder übersehen. Denn ich war diesen Weg die Tage davor schon mehrmals gegangen, ohne sie zu bemerken.

Die Begegnung mit den Flechten hat mich wieder daran erinnert, warum ich Freiraum-Pfade so aufgebaut habe, wie es ist: Nicht die großen, dramatischen Naturerlebnisse sind es, die uns zu uns selbst führen. Es sind oft die kleinen, stillen Momente.

Warum ich dem Kleinen nachspüre

Auch ich bin schon oft in diese Falle getappt: zu denken, dass nur das Große wirklich wirkt. Dass etwas bedeutend oder gar überwältigend sein muss, um einen Eindruck zu hinterlassen. Und dass Kleines, Feines nicht ausreichen könnte. Nach dem Motto „(nur) viel hilft viel“. Weil es heutzutage sehr schwer ist, das ständige „höher, schneller, weiter“ auszublenden. Denn der allgemeine Tenor ist eher der: Mach’s besser, komm weiter, erreiche das Perfekte oder Großartige. Statt zu fragen: Was passt denn zu Dir? Was wünschst Du Dir denn?

Auch was die Naturverbindung angeht, tendieren wir in diese Denkrichtung. Als ob nur ein Anblick, der einem den Atem raubt, bedeutend sein könnte oder etwas bewirken würde. Oder dass Naturverbindung nur im Frühling oder Sommer möglich sein könnte, wenn die Natur vor Kraft nur so strotzt.

Doch auch, wenn die Natur – oder der größte Teil von ihr – im Winter schläft, kann sich ein Gefühl von Verbundenheit in dieser Jahreszeit einstellen. Und häufig entsteht es mit den kleinen Dingen umso intensiver.

Deshalb lade ich Dich in meinen Angeboten auch nicht zu überwältigenden Naturerlebnissen ein, sondern zu Begegnungen mit dem, was gerade da ist – in Deinem Tempo, auf Deine Weise.

Impuls: Erkunde eine Miniaturwelt

Wenn Du das mal selbst ausprobieren willst, findest Du hier einen Impuls, Dich dem Kleinen, Unscheinbaren zu widmen. Denn darüber sehen wir oft einfach hinweg – dabei hat es uns so viel zu bieten. Erst recht, weil uns diese Miniaturwelt meist nicht zum Handeln herausfordert und stattdessen zum Verweilen einlädt.

Halte also bei Deinem nächsten Spaziergang bewusst Ausschau nach etwas Kleinem: Flechten oder Moose, Schneeflocken oder gewachsene Eiskristalle, übrig gebliebenes Herbstlaub oder ein kleines Ästchen, ein Steinchen oder ein Stück Fels. Du kannst Dir auch einen ca. 10 × 10 cm großen Bereich aussuchen und diesen dann in aller Ausführlichkeit studieren.

Wenn es Dir ähnlich geht wie mir, und Du schnell ungeduldig wirst, stell Dir einen Timer auf mindestens 10 Minuten. Damit Du Dich auch wirklich in die Natur vertiefst und nicht nach dem oberflächlichen Betrachten gleich zum Nächsten weiterwillst. 

Entdecke die Farben, Formen, die Textur oder auch den Geruch. Erkunde Dein Objekt mit allen Sinnen und lass die Erfahrung auf Dich wirken.

Sei gegrüßt,
Deine Dagmar

P.S.: Solltest Du nicht extra vor die Tür gehen wollen, weil das Wetter gerade einfach zu gruselig und fies ist, kannst Du Dich auch gerne in eines der Flechten-Bilder vertiefen (das wäre allerdings nur eine gemütliche Alternative, kein Ersatz für die echte Natur).


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